Bilanz, 8. März 2013
 

So liegen Sie richtig

Gut geschützt, aber nicht überversichert: die besten Tipps für Familien und Hauseigentümer, für unterwegs sowie bei Krankheit und Unfall.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, die richtigen Versicherungen zu finden. BILANZ hat auf den folgenden Seiten die besten Tipps und Tricks für Versicherte zusammengestellt.

Besonders ins Geld geht die Versicherungswahl bei Krankenkassen. Wer sich privat oder halbprivat versichern will, trifft auch noch auf eine Besonderheit: Es gilt nicht wie sonst der Grundsatz, dass man sich gegen alles versichern kann, wenn man nur bereit ist, die entsprechenden Prämien zu bezahlen. Krankenversicherer lehnen nämlich Aufnahmeanträge von Kunden im Bereich der Privat- und Halbprivatversicherungen des Öfteren ab.

Wer sich mit einer Zusatzversicherung in einem Zimmermit höchstens zwei Betten pflegen lassen will oder auf der freien Arztwahl besteht, muss zuvor einige Hürden überwinden. Sie werden desto höher, je älter man ist. Die Schwierigkeiten sind einseitig verteilt: Die Versicherer müssen niemanden aufnehmen. Sie brauchen ihre Ablehnung nicht zu begründen. Und sie können ihre Leistungen für genau diejenigen Krankheiten und Gebrechen ausschliessen, wegen deren man sich die Police überhaupt leisten will.

In der Praxis müssen die Kunden einen Antrag stellen, der einen detaillierten Fragebogen enthält, in dem zahlreiche Informationen zum Gesundheitszustand, zu früheren Krankheiten und Behandlungen verlangt werden. Die Versicherer können zudem weitere Auskünfte beim Hausarzt einholen. Das Alter des Antragstellers spielt eine Rolle dabei, ob jemand in eine Krankenversicherung aufgenommen wird. Oft werde sogar einfach mitgeteilt, dass eine Aufnahme im Alter von über 50 Jahren schwierig sei, sagt Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte bei Comparis. Stephan Wirz, Krankenkassenspezialist bei der Maklerzentrum Schweiz AG in Basel, kennt dagegen Limiten von über 55 Jahren und gar Versicherungen ohne Beschränkung: "Nur wenige Gesellschaften wie die Helsana, die Visana-Gruppe oder die Groupe Mutuel nehmen Personen ab 60 Jahren in die Zusatzversicherung auf." Stefan Thurnherr vom VZ Vermögens Zentrum nennt die CSS und die Groupe Mutuel als Versicherer, die höhere Alterslimiten kennen.

Ablehnungsgrund Heuschnupfen. Noch gewichtiger als das Alter ist der Gesundheitszustand für die Aufnahme in eine private Krankenversicherung. Ohne Einschränkungen aufgenommen werden nur Personen, die völlig gesund sind und bestenfalls schon immer waren. Der Hauptgrund für eine Ablehnung sind Krankheiten, frühere Unfälle oder Risikofaktoren wie Übergewicht, Allergien oder Diabetes.

Die Grenzen werden teilweise eng gezogen. "Ein Heuschnupfen genügt", sagt Stefan Thurnherr. Die Versicherer wollten die Desensibilisierungen nicht zahlen, zudem deute Heuschnupfen auf ein erhöhtes Risiko für andere Allergien hin.

Der Ratschlag heisst deshalb: Sie sollten nicht abwarten, sondern ausprobieren, ob der Antrag angenommen wird. Den Fragebogen unbedingt wahrheitsgemäss ausfüllen. Wenn man eine Antwort nicht weiss, sollte dies festgehalten werden. Je nach Bedarf den Hausarzt informieren und ihm mitteilen, dass er sich an die Tatsachen halten und keine Mutmas - sungen äussern solle. Als Trick gilt, die Anträge zugleich bei mehreren Versicherern zu stellen - wird man nämlich einmal abgewiesen, muss man dies auf dem Fragebogen angeben. Für einige Versicherer ist dies bereits Grund genug für eine Zurückweisung. Ammeisten Chancen hat man bei der Kasse, bei der man bereits grundversichert ist. Teilweise gibt es für die Zusatzversicherung sogar Rabatte. Man sollte hartnäckig bleiben, nachfragen und etwa anbieten, dass Leistungen für bestimmte Risiken ausgeschlossen werden können.

Tipps: Krankheit und Unfall

Sparvorschlag Unfalldeckung:

Es gibt Versicherungen, um die man sich nicht kümmern muss. Dazu gehört die Unfallversicherung. Alle Angestellten sind auch gegen Unfälle in der Freizeit geschützt. Kinder, Hausfrauen, Senioren oder Selbständige werden über die obligatorische Grundversicherung der Krankenversicherer abgesichert. Als Arbeitnehmer kann man deshalb die Unfalldeckung bei der Krankenversicherung sistieren und einige Franken Prämie sparen.

Prämien vergleichen, aber nicht immer wechseln:

Ein Beispiel des VZ Vermögens Zentrums zeigt, dass die Prämienunterschiede nicht nur bei der Grundversicherung, sondern auch bei den Zusatzversicherungen gross sind. Für die Spitalversicherung privat werden bei Neuabschluss Prämien zwischen 222.75 (Groupe Mutuel) und 693.80 Franken (Wincare) fällig. Basis der Berechnung ist ein 60-jähriger Mann aus dem Kanton Zürich. Für die Variante halbprivat reicht die Spannweite von 118.40 (Assura) bis 348.60 Franken (Wincare).

Wie viel die Spitalpflege-Zusatzversicherung kostet, hängt aber auch vom System des jeweiligen Versicherers ab: Bei einigen steigen die Prämien stufenweise nach Alter an. Bei anderen sind sie von Beginn an höher, werden danach aber nur teurer, wenn die Gesundheitskosten generell steigen.

Was tun, wenn andere Anbieter günstigere Prämien offerieren? Ab 50 ist es nicht mehr ratsam, die Zusatzversicherung zu wechseln: Es gibt zu viele gesundheitliche Gründe, welche die Kassen für Leistungsausschlüsse oder Ablehnungen ausnutzen könnten. Zumindest sollte man erst dann kündigen, wenn die Aufnahme beim anderen Anbieter gesichert ist.

Es gibt Alternativen:

Die teuren Halbprivat- und Privatzusatzversicherungen haben Konkurrenz erhalten: Policen, die meist den Zusatz "Flex" im Namen tragen. Dort entscheidet man sich erst kurz vor dem Spitalaufenthalt, wo man sich pflegen lassen will. In der allgemeinen Abteilung entstehen keine Zusatzkosten. Halbprivat oder privat wird ein Selbstbehalt fällig. Eine Alternative sind Hotelversicherungen. Dort verzichtet man auf die freie Arztwahl, wird aber in einem Einer- oder Zweierzimmer gepflegt.

Tipps: Familien

Haftpflichtversicherung:

Die fussballspielenden Kinder zertrümmern dem Nachbarn eine Fensterscheibe, der Hund beisst zu, ein Blumentopf fällt vom Balkon und verletzt einen Passanten. Für diese Fälle braucht die Familie Räber eine einzige Police: die Haftpflichtversicherung. Mit Prämien zwischen 80 und 200 Franken kann sie sich vor Schadenszahlungen schützen, die sie ruinieren könnten. Dennoch sind rund 20 Prozent der Bevölkerung nicht versichert. Dabei ersetzt heute die Haftpflichtversicherung auch die früher obligatorische Velovignette. Als Mieter sollte das Ehepaar Räber überprüfen, wie der Selbstbehalt bei Mietschäden geregelt ist. Einige Gesellschaften verlangen keinen Selbstbehalt, andere einen bestimmten Betrag pro Raum.

Hausratversicherung:

Mit einer Hausratversicherung werden persönliche Sachwerte oder die Wohnungseinrichtung gegen Diebstahl oder andere Schäden geschützt. Wichtig ist der Unterschied zwischen Haftpflicht- und Hausratversicherung: Erste zahlt den Zeitwert, die Zweite den höheren Neuwert. Entscheidend ist dabei, dass der Wert des Hausrats in der Versicherungspolice richtig erfasst ist. Bei Unterdeckung kürzt der Versicherer die Leistungen. Anstatt bei der Versicherungssumme zu sparen, lässt sich der Zusatz Glasbruch streichen. Den brauchen Mieter kaum, ausser sie besitzen teure Glasmöbel.

Kurze Vertragslaufzeiten:

Auch wenn es die Agenten anders erklären: Haftpflicht- und Haushaltversicherung gibt es mit einjährigen Laufzeiten. Mehrjährige Verträge sind nur für die Versicherer von Vorteil.

Putzfrau versichern:

Für die Putzfrau braucht es neben der Sozialversicherung eine Unfallpolice. Sie kostet in der Regel 100 Franken pro Jahr.

Kinderzähne und Familienrabatte:

Die Kinder können bei der Krankenversicherung gegen teure Zahnstellungskorrekturen versichert werden. Das lohnt sich, muss aber möglichst früh abgeschlossen werden, sonst machen die Versicherer nicht mehr mit. Zudem lässt sich bei einigen Krankenversicherern ein Rabatt herausschlagen, wenn dort die ganze Familie versichert wird.

Tipps: Hauseigentümer

Vor dem Spatenstich:

Wer ein Haus baut, braucht eine separate Bauherren-Haftpflichtversicherung. Diese schützt vor Schäden, die während der Bauzeit entstehen. Bei Projekten unter 100000 Franken reicht allerdings allenfalls auch die private Haftpflichtversicherung aus. Ein Blick in die Police lohnt sich.

Wenn das Haus gebaut ist:

Aus Mietern werden Wohneigentümer: Dabei geht gerne vergessen, dass man Privathaftpflicht- und Hausratversicherung anpassen sollte. Es gibt Unterschiede bei Deckung und Prämien.

In den meisten Kantonen muss man sich nicht um die Gebäudeversicherung kümmern. Sie ist dort obligatorisch und staatlich organisiert. Gedeckt sind Schäden durch Feuer oder Elementarereignisse wie Hochwasser, Erdrutsch, Hagel oder Schneedruck.

Wer ein älteres Haus kauft, sollte sich zusätzlich absichern. Mit der Gebäudeversicherung sind nämlich Schäden aus defekten Wasserleitungen nicht gedeckt. Dafür braucht es eine spezielle Gebäudewasserversicherung. Sie versichert auch Schäden durch auslaufendes Öl, wenn der Tank defekt ist, oder zahlt an Frostschäden, wenn die Leitungen einfrieren. Der Konkurrenzkampf der Versicherer dreht sich vor allem darum, wie viel sie für das Freilegen der Leitungen zu zahlen bereit sind.

Lose Dachziegel: Werden Passanten getroffen, ist man mit der Privathaftpflicht ausreichend versichert. Das gilt, wenn der Versicherte im eigenen Haus wohnt. Die Police schliesst auch das Ferienhaus ein, falls es nicht vermietet wird. Für Mehrfamilienhäuser ab einer bestimmten Anzahl Parteien braucht es eine zusätzliche Versicherung.

Nicht alles muss man absichern:

Bei der Hausratversicherung kann man sich gegen Glasschäden versichern. Lohnt sich das? Oder erst, wenn die Fenster saniert sind? Der Fall ist klar, wenn teure Möbel mit Glas oder kostbare Vitrinen in Gefahr sind.

Für die meisten Hauseigentümer in der Schweiz sind Schäden durch Erdbeben kein Thema. Zu Recht? Die Gebäudeversicherungen schliessen Erdbeben als Schadensgrund aus. Die Kantone, in denen es staatliche Monopole gibt, haben einen gemeinsamen Schadenpool eingerichtet, der aber bei einem Grossereignis kaum ausreichen dürfte.

Tipps: Unterwegs

Angst vor Velodieben?

Wem sein Bike lieb und teuer ist, der sollte bei der Hausratversicherung den Zusatz "einfacher Diebstahl auswärts" abschliessen. In der Regel ist damit allerdings nur der Zeitwert versichert, weil es Ausnahmebestimmungen für Sportgeräte gibt. Für teurere Fahrräder lohnt sich deshalb eine Nachbesserung.

Die Hausratversicherung schliesst auch E-Bikes ein, auch wenn dies noch nicht in allen Verträgen steht. Allerdings nur solche bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Elektrovelos mit stärkerer Leistung - die der Helmpflicht unterliegen - sowie Mofas müssen extra versichert werden.

Für Städter ohne Auto:

Wer keinen eigenen Wagen besitzt, aber immer wieder das Gefährt von Bekannten ausleiht, kann das Risiko bei der Privathaftpflicht mit dem Zusatz "gelegentliches Fahren fremder Autos" absichern.

Was gehört in die Autoversicherung ?

Die Motorfahrzeugversicherung besteht aus einer obligatorischen Haftpflichtversicherung und einer freiwilligen Kaskoversicherung. Die Prämien sind je nach Alter, Geschlecht, teilweise auch nach Nationalität, Fahrpraxis oder Wohnort unterschiedlich. Wer Offerten einholt, sollte nicht nur auf den Preis der Grundprämie achten. Mindestens so wichtig ist die Art und Weise, wie das Bonus-Malus- System funktioniert: Wie rasch sinkt die Prämie bei unfallfreiem Fahren? Was kostet der Zusatz Bonusschutz?

Im Strassenverkehr ist ein grober Fehler schnell passiert. Wer deshalb einen Unfall verursacht, muss damit rechnen, dass die eigene Versicherung bis zu 50 Prozent des Schadens zurückverlangt. Das kann ins Geld gehen. Zudem ist strittig, was als grober Fehler einzustufen ist. Mit einem Zusatz kann man sich vor Regressansprüchen schützen.

Mit einer Teilkaskoversicherung versichert man Schäden, für die man nichts kann. Eine Vollkaskoversicherung empfiehlt sich vor allem für die Halter eines Neuwagens.

Bei beiden Versicherungen dreht sich vieles um die Frage, welcher Wert abgedeckt ist. Der Unterschied zwischen Zeitwert und Neuwert ist bei Autos rasch gross. Wenn in der Police der Zeitwertzusatz abgeschlossen ist, erhält man zumindest annähernd den Neupreis erstattet.

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