Regioaktuell, Oktober 2015
 

Einmal handeln, das ganze Jahr sparen

Die Prämien für die Krankenversicherung steigen weiter. Ein Wechsel der Kasse spart unnötige Kosten bei gleichbleibenden Leistungen. Ein Anbietervergleich lohnt sich immer.

Im Herbst bekommt jeder Einwohner der Schweiz ungeliebte Post von seiner Krankenversicherung. Darin wird über die Prämienanpassungen für das kommende Jahr informiert, im Schnitt steigen die Prämien um 4% jährlich, je nach Kasse auch deutlich mehr. Kein Wunder, dass immer mehr Versicherte eine günstigere Lösung suchen und bis Ende November von ihrem Kündigungsrecht zum Jahresende Gebrauch machen. Denn das Sparpotenzial ist enorm. Angefangen in der Grundversicherung. Hier sind die Leistungen der Kassen zwar gesetzlich festgelegt, dennoch verlangen die Versicherer unterschiedlich hohe Prämien: Für das Standardmodell in der Grundversicherung berappt ein 45-jähriger Basler 457 oder 650 Franken monatlich, je nach Versicherer.

Erhebliches Sparpotenzial liegt auch in der Wahl des passenden Selbstbehalts. Hier zeigen Beispielrechnungen und Erfahrungswerte, dass vor allem die mittleren Franchisen von 1000 oder 1500 Franken ungünstig sind. Wer häufig medizinische Leistungen in Anspruch nimmt, ist mit der niedrigsten Franchise von 300 Franken meist besser bedient, wer selten einen Arzt aufsucht, sollte die höchst mögliche Franchise von 2000 oder 2500 Franken wählen.

Ebenso können viele Versicherte Prämien sparen, wenn sie in der Grundversicherung statt der Standardvariante ein alternatives Versicherungsmodell wählen, zum Beispiel das Hausarztmodell oder eine Telemed-Versicherung. Der einzige Unterschied ist, dass man im Krankheitsfall zuerst den Hausarzt konsultieren respektive die Krankenversicherung telefonisch kontaktieren muss. Akzeptiert der Versicherte diese Einschränkungen, zahlt er, je nach vorherigem Versicherungsmodell, bis zu 20 Prozent weniger.

Ähnliches gilt für die Spitalzusatzversicherung. Wesentlich günstiger als die private oder halbprivate Absicherung ist eine flexible Spitalzusatzversicherung. Dabei entscheidet der Versicherte erst im Fall eines Spitalaufenthalts, in welcher Spitalklasse er sich behandeln lassen möchte und zahlt nur dann einen vorher vereinbarten Aufpreis für die Dauer der Behandlung. Die Kündigung der Zusatzversicherung muss aber – im Gegensatz zur Grundversicherung – bereits früher, das heisst per Ende September auf den Beginn des kommenden Jahres erfolgen.

Darüber hinaus sind viele Versicherte auch unwissend doppelt oder unnötig abgesichert. Arbeitnehmer mit einem Pensum von mehr als acht Wochenstunden sind automatisch über den Arbeitgeber gegen Unfall versichert, aber haben diesen Unfallschutz häufig auch in der Krankenversicherung inkludiert. Hier muss der Versicherte das Unfallrisiko aktiv ausschliessen, was jederzeit auf den Folgemonat möglich ist. Ebenfalls wissen viele Versicherte nicht, wenn sie gegen unsinnige Ereignisse versichert sind, z.B. Männer, die gegen das Mutterschaftsrisiko oder Erwachsene, die gegen Zahnkorrekturen abgesichert sind. Zu solch unnötigen Deckungen kommt es, weil die Kassen häufig nur Standardprodukte anbieten, die nicht auf die persönlichen Lebensumstände abgestimmt sein können. Allein deswegen ist eine regelmässige Überprüfung der Krankenversicherung ratsam und zahlt sich in den meisten Fällen aus. Bei einer umfassenden Optimierung der Franchise, des Grundversicherungsmodells und allfälliger Doppelversicherungen kann sich ein Sparpotenzial von bis zu 50 Prozent ergeben.

Stefan Wirz, Mitglied der Geschäftsleitung, Maklerzentrum Schweiz AG

Zurück zu Publikationen