Berner Zeitung, 20. September 2016
 

In zehn Tagen ist Kündigungstermin

ZUSATZVERSICHERUNG: Wer die Krankenzusatzversicherung kündigen will, sollte dies bis Ende September gemacht haben. Pech hat, wer sich zu langfristigen Verträgen hinreissen liess.

In den nächsten Tagen wird das Bundesamt für Gesundheit die neuen Krankenkassenprämien bekannt geben. Wie immer wird auch dieses Jahr die Prämienerhöhung in der obligatorischen Grundversicherung über der Teuerung liegen. Meistens steigen die Prämien stärker als der Lohn. Mancher wird sich daher veranlasst sehen, zumindest bei den Krankenzusatzversicherungen zu sparen und diese zu kündigen.

Bald wird es dazu aber zu spät sein. Die meisten Krankenkassen kennen für ihre Zusatzversicherung eine Kündigungsfrist von drei Monaten per Ende Jahr. Sie muss also bis Ende September gekündigt sein, damit ab dem neuen Jahr keine Prämien mehr bezahlt werden müssen. Der Versicherungsschutz bleibt dann bis Ende Jahr noch bestehen.

Doch es gibt Ausnahmen: Assura und Groupe Mutuel kennen fünfjährige Verträge. «Eine gewisse Treue der Versicherten erlaubt es, die Prämien besser zu planen», begründet Yves Seydoux die langfristigen Verträge. Man könne daher vernünftigere Prämien verlangen. Alle fünf Jahre wird die Prämie dann als Folge des veränderten Risikoprofils. nach oben angepasst. Je älter, desto grösser das Risiko. Wird die Versicherung nach den ersten fünf Jahren nicht gekündigt, läuft sie normal weiter. Ab dann beträgt die Kündigungsfrist sechs Monate auf Ende Jahr.

Auch andere Versicherer bieten mehrjährige Verträge an; freilich nur auf Wunsch, nicht als Regel. Zum Beispiel die CSS. Für dreijährige Verträge gewährt der Versicherer aus Luzern einen Rabatt von 2 und bei fünfjährigen Verträgen von 4 Prozent. Visana gewährt für fünfjährige Verträge eine Vergünstigung von 4 Prozent. Und Atupri bietet erst ab kommendem Jahr für gewisse Zusatzversicherungen Mehrjahresverträge an, wartet aber noch aufs Okay der Finanzmarktaufsicht. «Ich bezweifle, ob es sich lohnt, nur für diese Rabatte mehrjährige Verpflichtungen einzugehen», meint Stephan Wirz vom Maklerzentrum.

Verzicht auf Betreibung

Andere Kassen wie etwa Swica oder KPT wiederum führen nur einjährige Verträge im Angebot. Verpasst man die Kündigungsfrist, gibt es unter Umständen dennoch eine Möglichkeit, auf künftige Prämienzahlungen zu verzichten, wenn auch eine unschöne. Man könnte ganz einfach die Prämienzahlungen einstellen. Nicht jede Kasse nimmt Mühe und Kosten auf sich, um eine Betreibung einzuleiten. «Wir mahnen zweimal, und danach folgt eine Leistungssperre», heisst es etwa bei Swica. Danach gibt es eine weitere Mahnung. Wenn auch nach der dritten Mahnung keine Zahlung erfolgt, verliert der Kunde seine Versicherungsdeckung. Atupri, KPT und Sympany verfahren ähnlich. Dies gilt selbstverständlich nur bei freiwilligen Zusatzversicherungen. Bei Zahlungsausständen in der Grundversicherung wird immer betrieben.

CSS und Visana geben an, dass sie grundsätzlich auch bei Zusatzversicherungen Betreibungen einleiten, falls die Prämien nicht bezahlt werden. Ob sie es immer tun, ist eine andere Frage und dürfte von der Vertragsdauer abhängen.

| Claude Chatelain

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