Stocks, 31. Oktober 2012
 

Krankenversicherung bedeutet Vorsorge von der Wiege an

In eine Vorsorgeplanung sollten die Kosten der Sicherung der Gesundheit einbezogen werden. Es lassen sich Kosten sparen.

Von Stephan M. Wirz

Die klassische Vorsorgeplanung orientiert sich in der Regel an den verschiedenen Lebensphasen eines Menschen. Mehrheitlich berücksichtigt sie allerdings rein finanzielle Aspekte. Dabei geht gerne vergessen, dass die Leistungen der Krankenversicherung ebenfalls den Bedürfnissen des jeweiligen Lebensabschnitts anzupassen wären. Bei einer Vertragsänderung oder einem Kassenwechsel steht denn oftmals weniger die Leistungsoptimierung als vielmehr das Prämiensparen im Vordergrund.

Das gilt insbesondere für jüngere Menschen – und gerade diese sollten ihr Augenmerk besonders auf mögliche Unterdeckungen richten. Diese können rasch zu einer erheblichen Belastung des Haushaltbudgets werden. Das weitaus höchste Risiko für Familien stellt die Invalidität im Krankheitsfall dar: Nahezu 85 Prozent der Invaliditätsfälle sind auf eine Krankheit zurückzuführen. Bei Erwerbstätigen entsteht in einem solchen Fall eine erhebliche Einkommenseinbusse, decken doch die Leistungen der 1. und 2. Säule oftmals nur 50 bis 60 Prozent des aktuellen Salärs. Diese Lücke lässt sich durch eine Erwerbsunfähigkeitsrente im Rahmen der privaten Vorsorge schliessen.

Sparen durch Leistungsoptimierung

Für Hausfrauen, Studenten und Kinder, die bei Invalidität mehrheitlich schlecht versichert sind, empfiehlt es sich, ein adäquates Invaliditätskapital in der Krankenversicherung zu versichern, um die sofort anfallenden Kosten im Haushalt bewältigen zu können und zusätzliches Kapital für den Lebensunterhalt zur Verfügung zu haben. Auf eine ausreichende Deckung ist aber auch bei der Zahnversicherung für die Kinder und bei der Versicherung für Brillen und Sportunfälle zu achten.

Trotz des gerade in der Familienphase meist knappen Budgets sollte aber nicht das Sparen von Prämien im Vordergrund stehen, sondern das individuelle Optimieren von Leistungen. Sparpotenzial besteht, wenn die Zusatzversicherung Leistungen vorsieht, die anderweitig abgedeckt sind oder die für den betreffenden Versicherten gar nicht relevant sind. Wie die Unfalldeckung für Berufstätige im Angestelltenverhältnis oder Mutterschaftsleistungen in den Zusatzversicherungen von Männern.

Die Familienmitglieder sind heute meist alle in denselben Zusatzversicherungen versichert, nicht selten angelockt durch Familienrabatte. «Eine Deckung für alle» heisst, dem Grundsatz «von allem ein wenig, aber von nichts genug» zu folgen. Oftmals merken sie erst im Schadenfall, dass gewisse Leistungen nicht oder nur in beschränktem Mass versichert sind. Dann ist jedoch eine Anpassung aus gesundheitlichen Gründen meist nicht mehr möglich. Deshalb kann es ratsam sein, Eltern und Kinder bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften zu versichern.

Die Krankenversicherung, die ein Versicherter in jüngeren Jahren abgeschlossen hat, ist nicht zwingend die, die für ihn auch noch im Alter die richtige ist. Selbst, wenn er privat versichert ist, lohnt sich ein genauer Blick, ob der Leistungskatalog der Zusatzversicherungen die im Alter relevanten Leistungen wie Kuren, Spitex und Hilfsmittel ausreichend abdeckt oder ob der Vertrag umgekehrt Leistungen vorsieht, die mit fortschreitendem Alter gar nichtmehr benötigt werden, beispielsweise für Zahnkorrekturen und Mutterschaft.

Bei Pensionierung das Nachsehen haben

Ein wichtiger Aspekt ist die Unfalldeckung. Solange der Versicherte mehr als acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber arbeitet, braucht er keine Unfalldeckung in der Grundversicherung und kann sie dort ausschliessen lassen – nicht aber bei den Zusatzversicherungen. Ansonsten hat er insbesondere bei der Pensionierung, aber auch im Invaliditätsfall, bei einer Aufgabe der Erwerbstätigkeit oder bei einem Wechsel in die Selbstständigkeit das Nachsehen. Die paar Franken pro Monat, die diese Deckung ausmacht, sind gut investiert, denn für einen Einschluss der Unfalldeckung im Bereich der Zusatzversicherung wird ein guter Gesundheitszustand vorausgesetzt. Zusätzlich sehen viele Krankenkassen eine Altersbegrenzung für eine Deckungserhöhung im Bereich der Zusatzversicherungen vor.

Für Versicherte ist es aufwendig, den Versicherungsbedarf in der jeweiligen Lebensphase abzuschätzenund sich einen Überblick über das Leistungsangebot zu verschaffen. Die einzelne Krankenkasse offeriert nur ihre eigenen Lösungen, überlässt den Marktvergleich der Leistungen den Versicherten. Eine unabhängige Beratung durch einen Spezialisten stellt eine bedarfsgerechte Lösung sicher.

Autor: Stephan Wirz

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