Versicherung, November 2013
 

Ein Wechsel kann sich lohnen

KRANKENTAGGELD Beim Abschluss von Kollektiv-Versicherungen sind die Prämienunterschiede je nach Wahl des Anbieters enorm. Vor allem Betriebe mit vielen krankheitsbedingten Absenzen wie die Bauindustrie haben das Nachsehen. Für Unternehmen zahlen sich regelmässige Vergleiche deshalb aus.

VON KURT SPECK

Krankentaggeld - Ein Wechsel kann sich lohnenMit einer Krankentaggeldversicherung wird der Erwerbsausfall einer versicherten Person ganz oder teilweise ausgeglichen. Der Arbeitgeber ist gesetzlich zu einer Lohnfortzahlung bei Krankheit verpflichtet. Dabei muss er nicht zwingend eine Versicherung abschliessen. Einzig Unternehmen, die einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt sind, verfügen meist über kollektive Taggeldversicherungen für ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Aus der Sicht einer Firma bietet eine solche Versicherung eine Sicherheit, weil die Lohnfortzahlungspflicht besteht und häufig ein Ersatz für den arbeitsunfähigen Mitarbeiter eingestellt werden muss. In diesem Fall entsteht temporär eine doppelte Kostenbelastung. Normalerweise wird eine Lohnfortzahlung bis zum 720. Tag vereinbart, sodass für die Versicherten keine zeitliche Lücke bis zum eventuellen Beginn einer Invalidenrente entstehen sollte.

Verschiedene Einschätzungen

Nahezu alle Krankenkassen und Versicherungsgesellschaften bieten Taggeld-Lösungen an. Dabei zeigen unabhängige Untersuchungen, dass sich bei den Prämien je nach der Wahl des Anbieters grosse Unterschiede ergeben. Bei gleichwertigen Angeboten kann die Prämienhöhe bis zu 50 Prozent differieren. Entsprechend ist ein Wechsel der Krankentaggeldversicherung für das Unternehmen durchaus interessant. «Ein regelmässiger Vergleich lohnt sich auf jeden Fall», sagt Rolf Wirz, Geschäftsleitungsvorsitzender beim Maklerzentrum Schweiz.

Die Abweichungen bei den Offerten hängen in erster Linie mit unterschiedlichen Beurteilungen bei der individuellen Risikoeinschätzung zusammen. Wird ein Unternehmen von einem Versicherer als schlechtes Risiko taxiert, schlägt sich das in einem Prämienaufschlag nieder. Das gilt beispielsweise für Betriebe aus der Bauindustrie, der Gastronomie oder dem Coiffeurgewerbe, die mit vielen krankheitsbedingten Absenzen konfrontiert sind. Die Tarife werden bei den Krankenkassen und der Assekuranz aufgrund der Erfahrungszahlen der Vergangenheit sowie der zukünftigen Risikoeinschätzung berechnet.

Die erheblichen Kosten-Leistungsunterschiede bei der Krankentaggeldversicherung sind auch abhängig von den diversen Anspruchsgruppen. So bieten viele Versicherer etwa für Grossfirmen und KMU standardisierte Lösungen, die in der Regel deutlich kostengünstiger sind als spezialisierte Modelle für Selbständige. Letztlich entscheidet aber immer die Frage, welche Risiken abzudecken sind. «Die Prämienunterschiede hängen mit der Rentabilität des Portefeuilles und der Zeichnungspolitik der Gesellschaft zusammen», bringt es Rolf Wirz auf den Punkt. Wird ein KMU als schlechtes Risiko eingestuft, muss es mit steigenden Grundtarifen rechnen. In diesen Fällen ist es auch schwieriger, den Versicherer zu wechseln. Anders ist die Situation für kleine und mittlere Unternehmen mit einem guten Schadenverlauf. Sie werden teilweise mit Rabatten belohnt. Zudem ist es für solche Betriebe interessant, mit dem Einholen von Offerten das bestmögliche Angebot zu erhalten.

Vielfalt an Versicherungslösungen

Fast alle Arbeitnehmenden sind durch eine kollektive Krankentaggeldversicherung ihres Betriebs ausreichend versichert. Anders sieht es bei den selbständig Erwerbenden oder jenen Mitarbeitenden aus, deren Arbeitgeber aus finanziellen oder anderen Gründen keine kollektive Krankentaggeldversicherung abschliessen. Gemäss den Statistiken dürfte dies auf etwa jeden fünften Arbeitnehmer zutreffen. Wer gegen eine Prämie eine freiwillige Taggeldversicherung abschliesst, sieht sich zwei Möglichkeiten gegenüber: Entweder eine Versicherung nach Krankenversicherungsgesetz (KVG) oder eine solche nach Versicherungsvertragsgesetz (VVG).

Für die Versicherer steht die Variante nach VVG im Vordergrund. Die Anbieter können bei dieser Taggeldversicherung die Aufnahme eines Interessenten verweigern und die Prämien abhängig von Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand gestalten. Krankenkassen lehnen oft ältere Bewerber mit einem gesundheitlichen Handicap ohne Angabe von Gründen ab, weil ihnen das die Vertragsfreiheit gemäss VVG erlaubt.

Bei einer Taggeldversicherung nach KVG sind Beitrittswillige von einer Versicherungsgesellschaft oder Krankenkasse zwingend aufzunehmen. Ähnlich wie bei der obligatorischen Grundversicherung gemäss Krankenversicherungsgesetz besteht auch in diesem Fall ein Aufnahmezwang. Auch hier muss der Antragsteller jedoch Gesundheitsfragen beantworten.

Die Kassen können bei Taggeldversicherungen gemäss KVG für bestehende Krankheiten einen Vorbehalt anbringen, der aber nach längstens fünf Jahren verfällt. Vorsorgeexperten bemängeln allerdings, dass die KVG-Variante in der Praxis lediglich ein minimales Taggeld beinhalte. Üblich sind Ansätze von 10 bis 40 Franken pro Tag. Andererseits stehen die VVG-Versicherungen in der Regel nur den eher jüngeren und gesunden Personen offen, weil die Versicherer grundsätzlich die guten Risiken suchen.

Wenig Transparenz

Insgesamt besteht bei der Krankentaggeldversicherung wenig Transparenz. Wer nicht von einer Kollektiv-Versicherung erfasst wird, der sieht sich einer eher unübersichtlichen Ausgangslage gegenüber. Die jetzige freiwillige und flexible Lösung bei der Taggeldversicherung wird jedoch von einer Mehrheit der Bevölkerung einer staatlich verordneten Einheitslösung mit einem Obligatorium klar vorgezogen. Politische Bemühungen in dieser Richtung sind allesamt gescheitert. Eine von den Gewerkschaften 1997 lancierte Volksinitiative für eine obligatorische Krankentaggeldversicherung wurde mangels Unterschriften nicht eingereicht. Schliesslich kam ein Bericht des Bundesrates über Reformvorschläge vor vier Jahren zum Schluss, dass die heute praktizierte Taggeldversicherung durchaus weitergeführt werden könne.

Für Unternehmen macht es Sinn, sich mit Garantien für eine längere Vertragsdauer von drei bis fünf Jahren gegen Prämienaufschläge zu schützen. Für Rolf Wirz ist auch wichtig, dass «die Wartefrist angemessen ist». Zu kurze Wartezeiten würden hohe Prämien verursachen, während lange Wartefristen ein finanzielles Risiko darstellen könnten. Um von günstigen Tarifen zu profitieren, lohnt sich eine regelmässige Ausschreibung. Dabei gilt es auch auf den Service zu achten, weil der administrative Aufwand bei den Krankheitsmeldungen sehr gross sein kann.

Autor: Ste­phan Wirz

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