bernerzeitung.ch, 17. September 2013
 

Freie Arztwahl für ambulante Operationen

Mit dem medizinischen Fortschritt können immer mehr Operationen ambulant durchgeführt werden. Das ruft nach neuen Zusatzversicherungen.

Am Morgen für die Operation zum Chefarzt, am Abend wieder zu Hause. Der medizinische Fortschritt machts möglich. Bild: Fotolia lightboxAm Morgen für die Operation zum Chefarzt, am Abend wieder zu Hause. Der medizinische Fortschritt machts möglich. Bild: Fotolia

Marktleader Helsana hat eine neue Zusatzversicherung auf den Markt gebracht. Sie heisst Primeo und bietet die freie Arztwahl im ambulanten Bereich an. Diese Meldung – Anfang Juli publiziert – haute einen kaum aus den Socken, war doch die freie Arztwahl in der ambulanten Behandlung im Spital bisher kaum ein Thema. Dies im Unterschied zur freien Arztwahl bei einer stationären Behandlung, wie das die halb private oder private Spitalzusatzversicherung ermöglicht.

Rob Hartmans von der Helsana: «Dank moderner Spitzenmedizin können immer mehr Operationen ambulant durchgeführt werden», so der Kommunikationschef. Er denkt etwa an Hallux, Leistenbruch, Mandelentfernung, Sehnenscheidenentzündung, Tennisarm oder Kniegelenkspiegelung. Bei solchen Eingriffen sei es ein Vorteil, wenn man den ausgewiesenen Facharzt im Spital frei wählen könne und die Garantie erhalte, von diesem behandelt zu werden.

Entspricht Kundenbedürfnis

Hartmans erhält Unterstützung von Urban Laffer. Der medizinische Leiter im Spitalzentrum Biel gibt sich überzeugt, dass das neue Versicherungsangebot einem Kundenbedürfnis entspricht. Er schreibt dies im Skalpell-Blog, in welchem er gesundheitspolitische Themen kommentiert. Wobei er als Chefarzt ein ureigenes Interesse hat, für ambulante Eingriffe eine zusätzliche Entschädigung zu erhalten.

Auch Peter Fischer, der Verwaltungsratspräsident der Lindenhof-Gruppe, ist vom neuen Helsana-Angebot überzeugt: «Primeo ist aus meiner Sicht ein innovatives Produkt, das Nachahmer finden wird.»

Primeo gilt nicht überall

Aufgepasst: Der direkte Zugang zum Spezialisten gilt bloss bei Partnerkliniken von Helsana. Wer sich von einem Arzt der Stadtberner Spitäler Tiefenau, Ziegler oder im Spital Interlaken behandeln lässt, hat Pech gehabt. Mit diesen Spitälern hat Helsana für das Primeo-Produkt keine vertragliche Vereinbarung abgeschlossen.

52 der rund 300 Spitäler in der Schweiz können sich rühmen, Partnerkliniken von Helsana zu sein. Laut Rob Hartmans hat Helsana kein Interesse, das Angebot unkontrolliert zu erhöhen. Man kann daraus ablesen, dass der Marktleader mit der Wahl der Partnerkliniken auch eine gewisse Qualitätskontrolle vornimmt. «Helsana tritt mehr und mehr als starker Partner der Spitäler auf», sagt Peter Fischer.

Verhältnismässig teuer

Primeo kostet laut einer Faustregel monatlich rund 1 Franken pro Altersjahr. Für eine 50-jährige Person käme die neue Versicherungsdeckung auf monatlich 50 Franken zu stehen. Das ist nicht gerade billig. «Diese Deckung ist sicherlich sinnvoll, aber im Vergleich zu einer Flex-Versicherung mit einer Deckung auch für stationäre Behandlungen deutlich zu teuer», meint Stephan Wirz, Vertriebsleiter vom Maklerzentrum, einer in der Versicherungs- und Vorsorgeberatung tätigen Firma mit 280 Mitarbeitern.

| Von Claude Chatelain

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