NZZ, 26. Januar 2015
 

«Oft hätte ich gern stärker auf mein Bauchgefühl vertraut»

33 Fragen an Rolf Wirz, Geschäftsleiter Maklerzentrum Schweiz AG, Basel

«Oft hätte ich gern stärker auf mein Bauchgefühl vertraut» - Rolf Wirz, Geschäftsleiter Maklerzentrum Schweiz AG, Basel lightbox«Oft hätte ich gern stärker auf mein Bauchgefühl vertraut» - Rolf Wirz, Geschäftsleiter Maklerzentrum Schweiz AG, Basel

Haben Sie Ihre Laufbahn von Anfang an genau vor sich gesehen?

Mir war von Anfang an klar, dass ich unternehmerisch zum Wohle des Kunden tätig sein wollte.

Ist die Weiterbildung im Management auf der Höhe der Zeit? Und aufgrund welcher Erfahrungen glauben Sie, das beurteilen zu können?

Aufgrund des starken Wachstums unserer Unternehmung sind auch die Anforderungen an unsere Kader stark gestiegen, da diese eine immer grössere Verantwortung tragen mussten. Wir haben seit Beginn Branchenstandards gesetzt und die Weiterbildung zu einem unserer prioritären Ziele gemacht.

Wie lauten Ihre Führungsgrundsätze?

Ich übernehme die Verantwortung für unser Handeln und versuche, authentisch und transparent aufzutreten und eine Vorbildfunktion einzunehmen. Ich fördere meine Mitarbeitenden und die Meinungsvielfalt im Unternehmen. Und ich setze alles daran, gemeinsam im Team die definierten Ziele zu erreichen.

Ist kompetente Unternehmensführung überhaupt erlernbar?

Das Führen kann erlernt werden. Es muss jedoch eine gewisse Veranlagung vorhanden sein. Eine Führungsperson muss zudem jederzeit dazu bereit sein, sich weiterzuentwickeln.

Haben sich Ihre Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Im Grundsatz haben sich diese nicht verändert, aber ich habe mit zunehmendem Alter – hoffentlich – dazugelernt.

Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?

Jeder Mensch hat seine individuellen Stärken und Schwächen. Wichtig ist, dass ein Chef authentisch wirkt. Nur durch ein glaubwürdiges Auftreten gewinnt er das Vertrauen seiner Unterstellten.

Wie spüren Sie die gegenwärtige Wirtschaftslage?

Das tiefe Zinsniveau stellt uns insbesondere im Vorsorgebereich vor Herausforderungen. Die Kunden sind an einer Vorsorgelösung für das Alter sowie einer Absicherung im Invaliditätsfall interessiert. Gleichzeitig wünschen sie eine möglichst hohe Garantieleistung, was aufgrund des derzeit tiefen Zinsniveaus nicht einfach ist. Eine hohe Garantieleistung geht zulasten einer möglichen Rendite. Es ist daher wichtig, dass die Kunden kompetent beraten werden, damit eine auf ihr Anlegerprofil angepasste Vorsorgelösung gefunden werden kann.

Hat die globale Arbeitsteilung positive Effekte gebracht?

Unsere Unternehmung ist auf den Schweizer Markt beschränkt, daher hat die globale Arbeitsteilung auf unser Geschäft keinen Einfluss.

Können Sie sich Alternativen zur Globalisierung vorstellen?

Ich vertrete die Auffassung, dass die Globalisierung auch Schattenseiten hat und dass eine faire Wirtschaft und ein fairer Handel wichtig sind. Es kommt daher darauf an, das Positive zu nützen und sich gegen mögliche negative Auswirkungen zu schützen.

Was geht Ihnen auf die Nerven?

Ich reagiere allergisch auf Leute, die sich unablässig über Dinge beschweren, ohne Verbesserungsvorschläge anzubringen.

Worüber können Sie herzlich lachen?

Mich bringen viele Dinge zum Lachen – vor allem kann ich gut und oft über mich selber lachen!

Was sagen Ihre Mitarbeiter über Sie?

Meine Mitarbeiter schätzen mich als verständnisvollen Chef, der ihnen viel Freiheiten lässt und alles daran setzt, sie zu fördern. Sie kennen aber auch meine Schwächen. Ich bin sehr ungeduldig und kann mich masslos ärgern, wenn sich jemand bei einer Arbeit keine Mühe gibt – auch wenn die Aufwallung meist nur ein paar Minuten dauert.

Wie reagieren Sie auf Kritik?

Mit konstruktiver Kritik kann ich gut umgehen, aber auf ungerechtfertigte Kritik reagiere ich allergisch. Kritisieren ist einfach – was für mich zählt, sind konstruktive Lösungsvorschläge.

Hat Sie Ihr Bauchgefühl auch schon einmal getäuscht?

Leider nein. Ich habe mir schon mehrfach gewünscht, dass ich stärker auf mein Bauchgefühl vertraut hätte.

Stellen Sie auch ehemalige Arbeitskollegen und Freunde ein, oder ziehen Sie unbeschriebene Blätter vor?

In erster Linie zählt die Qualifikation eines Mitarbeiters. Ich bevorzuge es, das private Umfeld und das Geschäft zu trennen. Aber das ist für mich keine feste Regel.

Sind Frauenquoten notwendig?

Grundsätzlich denke ich, dass Quotenregelungen ein falscher Ansatz sind und dass die am besten qualifizierte Person eine Arbeitsstelle bekommen sollte.

Werden bei Ihnen Kandidaten gegoogelt?

Nein, das machen wir nicht. Für uns ist die Authentizität wichtig, und deshalb verlassen wir uns ausschliesslich auf das persönliche Gespräch.

Falls Ihnen Ihr Smartphone abhandenkommt: Ist das ein Desaster für Sie und Ihre Terminplanung?

Nicht nur für die Terminplanung. Das Smartphone ist für mich zum Leidwesen meines Umfelds nahezu unersetzbar geworden, auch wenn ich mir für 2015 vorgenommen habe, das Telefon in meiner Freizeit bewusst auszuschalten.

Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke, beruflich und privat?

Ich gehöre vermutlich noch zu einer Generation, welche die sozialen Netzwerke privat wenig nutzt. Für unsere Unternehmung steigt jedoch die Bedeutung stetig.

Was halten Sie von Managern, die in der Öffentlichkeit mit wenig Schlaf und Wochenendarbeit auftrumpfen?

Wenig. Es ist in erster Linie eine Frage der Organisation.

Würden Sie Ihre Karriere gegebenenfalls zugunsten eines humanitären Einsatzes aufgeben?

Ich bin in meinem Berufsleben in einer Phase angelangt, in welcher Karriere nicht mehr das oberste Ziel ist. Die Frage «Karriere oder humanitärer Einsatz» hat sich bis jetzt nicht gestellt. Falls mich aber eine Aufgabe wirklich erfüllen würde, könnte ich mir vorstellen, eine neue Herausforderung anzunehmen.

Wann und wo können Sie wirklich abschalten?

Mit meinen Enkelkindern oder bei einem guten Essen.

Sind Vorbilder noch aktuell oder eher hinderlich bei der Selbstverwirklichung?

Ich habe viele Vorbilder, habe aber stets Wert darauf gelegt, meinen eigenen Weg zu finden, ohne andere Personen nachzuahmen. Ich halte es für hinderlich, wenn man jederzeit versucht, andere Menschen zu kopieren.

Was raten Sie dem Berufsnachwuchs – und den eigenen Kindern?

Eine solide Ausbildung und eine konsequente Weiterbildung ist von grosser Bedeutung. Und wichtig ist es, Sprachen zu lernen. Ich sehe auch in unserer Firma, wie wichtig die Kommunikation unter den Mitarbeitenden ist. Stünde ich noch einmal am Anfang, würde ich diesem Punkt mehr Bedeutung beimessen.

Wie wurden Sie durch Ihre ehemaligen Lehrpersonen eingeschätzt?

Ich war ein Draufgänger, der sich für seine Ziele einsetzte, aber auch die entsprechende Verantwortung übernommen hat.

Hat Ihnen die Schule das wirklich Relevante vermittelt?

Im faktischen Sinne, ja, nicht aber im Sinn von Lebensschulung. Diese muss man sich selber erarbeiten – und das ist ein stetiger Prozess!

Könnten Sie sich ein Leben im Kloster vorstellen?

Nein, das wäre mir zu langweilig. Vielleicht ein paar Tage, um wieder einmal in Ruhe ein Buch zu lesen.

Kommen Sie manchmal zu spät?

Selten. Ich bin stets spät dran und somit in Eile, schaffe es aber nahezu immer, am Ende dann doch pünktlich zu sein.

Glauben Sie an die Vorsehung und an das Schicksal?

Ja. Es gibt Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Ich versuche jedoch immer, durch Vorkehrungen und durch meinen Einsatz, das Schicksal nicht herauszufordern.

Sind Sie zuversichtlich für die Schweiz?

Ja, ich liebe mein Land und die Schweizer Mentalität, und ich sehe keinen Grund, nicht zuversichtlich zu sein. Ich denke manchmal, dass sich andere Länder ein Vorbild an unserer Schweiz nehmen sollten.

Welche Probleme sollte die Politik unverzüglich anpacken?

Ich sehe unser Land mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Besonders im Sozialwesen sind rasch konstruktive Lösungsansätze gefordert.

Eine Ihrer Lebensweisheiten?

Menschen zu fordern und zu fördern, um dann an ihrem Erfolg teilhaben zu dürfen, ist etwas vom Schönsten, das es im Leben gibt.

Wie könnte die Überschrift dieses Interviews lauten?

«Patron mit Herz und Verstand».

ZUR PERSON

Rolf Wirz, 65, ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Maklerzentrum Schweiz AG. Der verheiratete Vater dreier erwachsener Kinder erlernte den Beruf des Kaufmanns. Früher betätigte er sich als Selbständiger im Marketingbereich. Die 2006 gegründete Maklerzentrum Schweiz AG in Basel ist die führende Anbieterin von Krankenkassen- und Versicherungslösungen in der Schweiz. Sie entstand aus der Wirz Versicherungsberatung GmbH, die seit 2002 im Versicherungsgeschäft tätig war. 140 Mitarbeitende an sechs Standorten in der Schweiz (Basel, Biel, Gisikon, Frauenfeld, St. Gallen und Montreux) betreuen rund 80 000 Privat- und Firmenkunden in den Bereichen Krankenversicherung, Sach- und Vermögensversicherungen sowie Vorsorge. Insbesondere der Krankenversicherungsbereich unterliegt einem stetigen Wandel, so dass der Beratungsbedarf für die Versicherten in der Branche generell als hoch eingeschätzt wird.

| Interview: met.

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