Geheimniskrämerei um Krankenkassenprämien

Andreas Schmid: Die Versicherer dürfen ihre provisorischen Prämien nicht mehr kommunizieren. Das schade den Kunden, sagen Kritiker aus der Branche.

Früher haben die meisten Krankenkassen ihren Versicherten jeweils im August mitgeteilt, welche Aufschläge sie im kommenden Jahr erwarten. Die kommunizierten Prämien waren zwar noch provisorisch, weil das Bundesamt für Gesundheit (BAG) diese erst später genehmigte und Ende September offiziell bekanntgab. Doch nur selten gab es grössere Korrekturen in der Grundversicherung, und die Konsumenten konnten sich frühzeitig mit einem Wechsel befassen.

Dieses Jahr ist das nun anders: Die Versicherten erfahren erst Ende September, wie hoch ihre Prämie 2017 sein wird. Das liegt daran, dass eine Neuerung im Aufsichtsgesetz den Kassen verbietet, provisorische Prämien publik zu machen. Wer sich nicht daran hält, kann strafrechtlich verfolgt und gebüsst werden. Damit will das BAG die Informationshoheit zurückgewinnen und verhindern, dass die Kassen in Eigenregie zu beliebiger Zeit provisorische Prämien bekanntgeben. Bei den Versicherern kommt das unterschiedlich an. Jene mit geringen Aufschlägen ärgern sich über die neue Praxis, bisher günstige Kassen mit markanten Prämienerhöhungen sind froh darüber.

Äusserst nachteilig wirke sich die Unklarheit für die Konsumenten aus, kritisiert Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte beim Internetvergleichsdienst Comparis. Er weist darauf hin, dass bei Bekanntwerden der neuen Prämien Ende September die Kündigungsfrist für Zusatzversicherungen bei manchen Kassen schon abgelaufen sei, so dass viele Kunden Grund- und Zusatzversicherungen nicht mehr gleichzeitig wechseln könnten. Zudem werde die Zeit bis Ende November knapp, um einen Umstieg in der Grundversicherung vorzunehmen. «Offensichtlich will das BAG jedoch mit diesem System Wechsel erschweren.»

Als besonders ärgerlich erachtet Schneuwly, dass sich einige Kantone nicht an das Informationsverbot hielten und die provisorischen Prämien thematisierten, über die sie vom BAG im Frühsommer ins Bild gesetzt werden. «Der Kanton Waadt zum Beispiel macht eine politische Kampagne mit den Prämien, während die Branche schweigen muss», sagt Schneuwly.

Der Maulkorb für die Kassen tangiert vor allem auch die Makler. Ihnen bleibt für die Beratung der Kunden wesentlich weniger Zeit als früher. «Dies ist gerade in einem Jahr wie diesem mit einschneidenden Veränderungen störend», sagt Stephan M. Wirz vom Maklerzentrum Schweiz, das mit rund 100 Angestellten Versicherte berät. Wirz spricht Fusionen innerhalb der Helsana-Gruppe an, und er nennt den veränderten Risikoausgleich sowie die erneut beträchtlichen Prämienerhöhungen. Dass das BAG, das zum Departement von Innenminister Alain Berset (sp.) gehört, trotz dieser Ausgangslage eine frühzeitige Bekanntgabe der Aufschläge verhindert, macht Wirz stutzig. Ebenso wie Comparis-Experte Felix Schneuwly vermutet er, «dass das BAG dies bewusst praktiziert, um den Wechsel-Markt einzudämmen».

Dieser Vermutung widerspricht BAG-Sprecherin Emmanuelle Jaquet von Sury: «Die Bestimmung verhindert, dass Versicherte gestützt auf möglicherweise falsche Prämieninformationen ihrer bisherigen Kasse kündigen und neue Verträge abschliessen.» Die neue Praxis bezwecke den Schutz der Konsumenten. Um die Zusatzversicherung zu wechseln, müssten die nötigen Schritte bereits im Frühling eingeleitet werden, mit dem Zeitpunkt der Prämienbekanntgabe habe das also nichts zu tun.

Dass Kantone provisorische Zahlen kommunizieren, ist laut Jaquet von Sury unzulässig. «Die Informationen, die wir ihnen im Genehmigungsprozess zustellen, dürfen sie nicht weitergeben.»

Krankenkassenprämien - Krankenkasse

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